
Haute Bourgeoisie
Seit 1964 besaßen June und Helmut Newton ein Haus in der Nähe von Saint-Tropez, das nicht nur als Sommerresidenz, sondern auch als Produktionsstätte gelten darf. Hier entstanden einige der teils einzigartigen Vintage-Prints für die amerikanische Vogue oder den Pentax-Kalender. An der französischen Riviera – in Nizza, Cannes oder Monte-Carlo, jener Stadt, in die das Künstlerpaar zum Jahreswechsel 1981/82 von Paris übersiedelte – entstand ein mannigfaltiger Kosmos an Newtons Arbeiten. So boten die mondänen Hotels, die teils brutalistischen Stadtzüge sowie das Meer und die Küste völlig neue Shooting-Sets. Weniger schicke Hintergründe, wie noch in den Pariser Fotografien, als mehr kontrastreiche, teils radikale Einbettungen seiner Models – seinen Genres Mode, Akt und Porträt blieb er dabei treu – zeichnen diese Arbeiten aus.
Die Kultivierung der Schaulust hat auch in Newtons Riviera-Fotografien Bestand. Auf voyeuristische wie erotische Merkmale gerichtet, sind seine Arbeiten trotz Verlagerung des Lebensmittelpunktes weiterhin unverwechselbar. Ein kalkulierter Busenblitzer mit direktem Blick in die Kamera, wie man ihn etwa bei „Isabelle Huppert, Hotel Carlton, Cannes“ (1976) findet, verrät das ausgeklügelte Kalkül Newtons. Mechanismen der Mode- und Medienwelt spielerisch wie berechnend zu bedienen, macht auch Aufnahmen wie „Monica Bellucci, Monte Carlo“ (2001) oder „Bernice Coppieters, Les Ballets de Monte Carlo“ (1992) jener Schaffensperiode zu meisterhaften Mise-en-Scène-Inszenierungen.
Newton, Riviera
05.09. – 15.2.2026
Helmut Newton Foundation
Museum für Fotografie
Jebensstr. 2
D-10623 Berlin
Tel.: +49-30-31864825
Di – So 11 – 19 Uhr, Do 11 – 20 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 6 €
www.helmut-newton-foundation.org
Text: Dr. Denise Susnja
Bild: Museum für Fotografie
Erstveröffentlichung in kunst:art 106







