
Jonathan Meese im Wilhelm-Hack-Museum
Es gibt Künstler, bei denen man ganz klar Werk und Künstler trennen kann. Dann gibt es welche, wo Werk und Künstler untrennbar zusammengehören. Und schließlich gibt es Jonathan Meese. Werk und Künstler sind absolut nicht zu trennen, das Werk ohne den Künstler ist gewissermaßen wertlos. Vergleichbar ist das Gesamtkunstwerk Jonathan Messe vielleicht noch mit Joseph Beuys, der sich auch mit gesellschaftlichen Fragen ähnlich wie Meese auseinandersetzte, jedoch zu komplett anderen Schlüssen kam.
Jonathan Messe kommt 1970 als jüngstes von drei Kindern in Japan zur Welt. Schon 1973 führt es ihn mit seiner Familie nach Norddeutschland, wo er 1989 das Abitur macht. Von 1993 an studiert Meese an der HFBK Hamburg, 1998 bricht er sein Studium ab.
Noch im gleichen Jahr erfolgt mit der Einladung zur 1. Berlin Biennale sein künstlerischer Durchbruch. Erstmals wird einem großen und auch internationalen Publikum der Meese-Kosmos mit der Rauminstallation „Ahoi de Angst“ (1998) gezeigt. Einladungen zu großen Ausstellungen erfolgen, so nach New York zur „Generation Z“ im P.S.1 und zu „German Open“ im Kunstmuseum Wolfsburg.
Dieser erwähnte Meese-Kosmos enthält allerlei Zutaten aus der Pop-Kultur von James Bond und Dr. No bis hin zu Karl May, Heldencomics und anderen Abenteuern, immer wieder Referenzen an Hitler und den Hitlergruß und eine Abwendung von der Demokratie und den politischen Parteien zu Gunsten einer Diktatur der Kunst.
Natürlich ist die Figur Jonathan Meese ein Gesamtkunstwerk, in dessen Essenz aber die eine oder andere Aussage versteckt ist, die über Provokation und Vernebelung hinausgeht. Da ist sicherlich die Liebe zur Kunst als höchste Instanz des Menschen im Zentrum. Eine Abscheu allen ideologischen Ideen gegenüber in Verbindung mit der Ideologie, dass man bestimmte Dinge tun oder lassen sollte: Kind bleiben, spielen, sein Zuhause in Ordnung bringen sind dabei ganz wichtig, Politik und nach Rekorden streben lehnt er beispielsweise ab.
Im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen sind nun zahlreiche Künstlerbücher von Meese zu sehen. Er selbst nannte diese mal ähnlich einem Tagebuch und ordnete sie als extrem wichtig für sein Werk ein. Denn hier macht er sich Tag für Tag klar, was Kunst für ihn bedeutet. Dieses zentrale Werk Meeses wird nun erstmals so umfangreich zu sehen sein und wird zugleich von einem kommentierten Werkverzeichnis begleitet.
Jonathan Meese. Gesamtkunstwerk >Erzbuch<! (Buch der Bücher)
15.11.2025 – 6.4.2026
Wilhelm-Hack-Museum
Berliner Str. 23
D-67059 Ludwigshafen am Rhein
Tel.: +49-621-5043045
Di – Fr 11 – 18 Uhr, Do 11 – 20 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 7 €, erm. 5 €
www.wilhelmhack.museum
Text: Mathias Fritzsche
Bild: Wilhelm-Hack-Museum
Erstveröffentlichung in kunst:art 106







