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Durch die Blume – und das gleich vierfach

Rebecca Louise Law im Landesmuseum Schleswig-Holstein

Rebecca Louise Law, Community, 2018
Rebecca Louise Law, Community, 2018

Zwar ist das Hauptquartier des Landesmuseums in Schleswig, das prächtige Barockschloss Gottorf, derzeit sanierungsbedingt geschlossen, dennoch pausiert der Ausstellungsbetrieb nicht. Eine One-Woman-Show in vier Abteilungen, zeitversetzt eröffnet, stellt das Werk der Britin Rebecca Louise Law vor, international bekannt mit ihren ausufernden Installationen aus pflanzlichen Naturmaterialien. Ende Februar geht es los im Freilichtmuseum Molfsee und im Jüdischen Museum Rendsburg, bevor ab dem 2. April 2026 auch die Reithalle auf der Schleswiger Museumsinsel und das nahe Gottorfer Globushaus hinzukommen.

Rebecca Louise Law (* 1980) studierte in Newcastle, der Hafenstadt im englischen Nordosten und einstmals ein Hotspot der industriellen Revolution. Möglicherweise waren es gerade deren vor Ort sichtbare (oftmals ziemliche trübe) Hinterlassenschaften, die die junge Künstlerin schon früh zu ihrem ureigenen Thema brachten, dem so zerbrechlichen Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Gesammelte Blumen, Gräser und andere Pflanzenteile: Sinnlich ist diese Kunst, beinah körperlich, aber – das ergibt sich aus dem Material – auch unvermeidlich höchst vergänglich. Das gilt es zu akzeptieren: „Beauty of Decay“, Schönheit im Verfall, so war einmal eine frühere Ausstellung der Künstlerin überschrieben. Die Brüchigkeit, die Hinfälligkeit des Schönen war bekanntlich schon ein barockes Leitmotiv gewesen.

Nun also im Rahmen des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums Laws „State of Nature“: Im sogenannten Jahr100Haus, dem Eingangsgebäude des Freilichtmuseums vor den Toren Kiels, entsteht „The Field“, eine das Haus durchziehende Installation aus Hafer und Blumen. Ein wichtiges Arbeitsprinzip von Law gilt auch hier: Sie verwendet grundsätzlich vor Ort gesammelte Blumen, in diesem Fall sogar eigens auf dem Museumsgelände angebaut. Auf die besondere Atmosphäre des Betsaals im Jüdischen Museum Rendsburg bezieht sich „Grain“. Getreideähren sind ja vielfach religiös konnotiert: Inbegriff von Fürsorge, Nahrung und menschlicher Dankbarkeit dafür. Doch nun nach Schleswig: In der Reithalle auf der Museumsinsel des Schlosses Gottorf bleibt es zwar, Law-typisch, leise, wird aber doch gewaltig. Rebecca Louise Law versammelt dort nicht weniger als 750.000 getrocknete Blumen zu „The Archive“. Es ist übrigens zu hören, dass die Künstlerin im Laufe ihrer 20-jährigen Laufbahn schon mehr als 2 Millionen Blumen gesucht, gesammelt und sorgsam präpariert habe … Da ist es sicher eine Hilfe, aber auch ein wichtiges inhaltliches Anliegen, dass die Künstlerin bei ihren Projekten immer mit Menschen aus dem Umfeld der Ausstellung zusammenarbeitet. Schließlich kommen wir wieder zum Barock zurück: Im Gottorfer Globushaus entfacht „Honesty“, ganz ehrlich, mächtig Glanz: Der botanische und ästhetische Reichtum des historischen Neuwerkgartens mit seinem feinen Spiel zwischen Natur und Kunst ist ein guter Stichwortgeber, dem die Künstlerin passend zu antworten weiß.

Rebecca Louise Law. State of Nature
27.2. – 1.11.2026
Freilichtmuseum Molfsee
Hamburger Landstr. 97
D-24113 Molfsee
Tel.: +49-431-6596622
Mi – So 11 – 16 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 10 €
www.freilichtmuseum-sh.de

Text: Dieter Begemann
Bild: Schloss Gottorf
Erstveröffentlichung in kunst:art 107

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