
Abstraktion ist Freiheit
Schwer nachvollziehbar scheint heute die Emphase, mit der nach dem Zweiten Weltkrieg von Künstlern wie Publikum die malerische und bildhauerische Abstraktion umarmt wurde. In der Neuorientierung nach Faschismus und Krieg, politisch, gesellschaftlich wie eben auch kulturell, hatte es den Anschein, als könne man hier, mit der gegenstandslosen Kunst, ein völlig neues Kapitel aufschlagen. Freilich galt das so nur im Westen, denn die sozialistische Kunstdoktrin schrieb, wie gehabt, strikte Gegenständlichkeit vor nach sowjetischem Rezept.
Die Kunst nach 1945, in ihrer abstrakten Ausprägung, ist das Thema einer Sonderschau der Chemnitzer Kunstsammlungen. Der Ausstellungsort in der Sammlung Gunzenhauser ist dafür mehr als stimmig, denn das architektonisch eindrucksvolle ehemalige Sparkassengebäude im Stil des Neuen Bauens der Zwanziger verweist genau auf die Zeit, die für viele Nachkriegskünstler neues Vorbild wurde. Hatte doch in den Zwanzigern, vor der Disruption des Nationalsozialismus, die Abstraktion schon einmal als künstlerisches Äquivalent einer freien Gesellschaft gegolten. Die Schau kann auf die umfangreichen Bestände der Sammlung des Münchner Galeristen Alfred Gunzenhauser zurückgreifen, die prominente Namen der abstrakten Nachkriegsmoderne versammelt wie Ernst Wilhelm Nay, Fritz Winter oder Serge Poliakoff; von der geometrischen Strenge bis zur gestischen Wildheit, einschließlich auch der im Osten sich dann doch vorsichtig ausbildenden Variante.
ab dem 11.3.2026
Kunst nach 1945
Kunstsammlungen Chemnitz
Museum Gunzenhauser
Falkeplatz
D-09112 Chemnitz
Tel.: +49-371-4887024
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 6,50 €
www.kunstsammlungen-chemnitz.de