
Ganz Ohr sein
Seit den späten 1960er-Jahren untersucht der 1938 in Feldkirch geborene österreichische Künstler Bernhard Leitner, wie Klang Räume nicht nur akustisch, sondern auch körperlich erfahrbar machen kann. Seine Arbeiten verbinden Akustik, Architektur und Skulptur. In der Wiener Secession ist Leitner mit der Ausstellung „Soundspacesculpture“ zu erleben. Im Zentrum steht die Idee, Klang als skulpturales Material zu begreifen. Lautsprecher, räumliche Anordnungen und architektonische Strukturen werden zu Instrumenten, mit denen sich Klang im Raum bewegen lässt. Der Ton bleibt dabei nicht bloß etwas, das man hört: Er umkreist den Körper, durchdringt ihn und verändert die Wahrnehmung des umgebenden Raums. Die Besuchenden sollen nicht vor einem Werk stehen und es lediglich betrachten, sondern sich in ihm bewegen und seine akustischen Veränderungen körperlich erleben. Schon in frühen wegweisenden Arbeiten wie dem 1969 entworfenen „Soundcube“ entwickelte Leitner die Vorstellung eines Raumes, in dem sich Töne gezielt durch den dreidimensionalen Raum bewegen.
Gerade in einer Gegenwart, die von permanenter Beschallung geprägt ist, setzt Leitner auf Konzentration und Langsamkeit. Seine Klangräume machen hörbar, dass Architektur nicht ausschließlich aus Wänden, Böden und Decken besteht. Auch Schwingungen, Rhythmen und Bewegungen können Raum formen. In der Secession wird Klang damit zu einer unmittelbar körperlichen Erfahrung, zu einer Kunst, in die man nicht nur hineinhört, sondern in die man eintritt.
Bernhard Leitner. Soundspacesculpture
11.9. – 22.11.2026
Secession
Friedrichstr. 12
A-1010 Wien
Tel.: +43-1-5875307
Di – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 13 €, erm. 7,50 €
www.secession.at