Artsplash | Missglückte Komödie: „Sex & Crime“ von Paul Florian Müller

Artsplash 21.03.2016

Valentin (Wotan Wilke Möhring) und Katja (Pheline Roggan) | (Foto © Camino Filmverleih)

Nichts ist schwieriger auf der Bühne und auf der Kinoleinwand, als eine Komödie zu inszenieren, die den Nerv des Publikums trifft. Einer, der das perfekt konnte, war der Österreicher Billy Wilder in Hollywood. Unvergessen bis heute ist seine geniale Komödie „Manche mögen´s heiß“ von 1959 mit der großartigen Marilyn Monroe, die sich den Satz „Wo ist der verdammte Whiskey“ nicht merken konnte. Wilder brachte endlose Geduld auf, bis er die Szene mit ihr im Kasten hatte. Eine Monroe, so war seine Einstellung, gibt es nur einmal. Der amerikanische Regisseur Quentin Tarantino setzte 1994 einen Meilenstein in der jüngsten Filmgeschichte mit „Pulp Fiction“ im Genre Komödie, die vor schwarzem Humor nur so strotzte und John Travolta zu einem Comeback verhalf.

Als die deutsche Antwort auf den amerikanischen Kultregisseur wird nun Paul Florian Müller von der Kritik gefeiert, dessen Komödie „Sex & Crime“ am 24. März 2016 in den deutschen Kinos anläuft. Dieser Lobeshymne kann ich mich nicht anschließen, denn was einem als schwarzhumorige Komödie versprochen wird, hält der Streifen nicht.

Bestsellerautor Theo (Fabian Busch) und Kellnerin Mörli (Claudia Eisner) | (Foto © Camino Filmverleih)
Bestsellerautor Theo (Fabian Busch) und Kellnerin Mörli (Claudia Eisner) | (Foto © Camino Filmverleih)

Theo (Fabian Busch) fühlt sich mies. Der Autor billiger Sex & Crime Romane ist gerade von seiner Frau Katja (Pheline Roggan) verlassen worden und sucht Trost bei seinem Kumpel Valentin (Wotan Wilke Möhring). Man verabredet sich in einer Kneipe, wo die Kellnerin Mörli (Claudia Eisinger) ihn, den blassen unauffälligen Typen, sofort als ihren Lieblingsautor erkennt. Das passiert gleich zu Anfang des Films und als eingefleischter Kinohase ahne ich sofort, dass das ganze kein Zufall, sondern arrangiert ist. Das ist es, denn Valentin will seinem Kumpel schon lange die Frau ausspannen, mit der er ein Verhältnis hat. Der Versicherungsagent hat noch einen anderen Beweggrund, Theo aus dem Weg zu räumen. Er ist pleite und die Gläubiger wollen ihr Geld zurück. Da Theo bei ihm versichert ist, schmiedet er einen Plan, wie er an die hohe Versicherungssumme für seinen neuen Roman, die der Autor bei ihm abgeschlossen hat, ran kommen kann und benutzt dafür Mörli, die wegen eines Versicherungsfalls zu ihm kommt. Dieses ganze am Reißbrett entworfene dramaturgische Muster ist für den Zuschauer sehr schnell durchschaubar und alles andere als zündend, geschweige denn neu.

Warum deutsche Erstlingsfilme, die derart mittelmäßig sind wie „Sex & Crime“ unbedingt im Kino laufen müssen, werde ich nie begreifen. So was gehört ins Fernsehen und am besten nach 23 Uhr.

 

Text: Nadja Naumann | Bild: Camino Filmverleih
Externer Link: www.sexandcrime-film.de
Kinostart: 24.3.2016

3 Kommentare zu Artsplash | Missglückte Komödie: „Sex & Crime“ von Paul Florian Müller

  1. „Warum deutsche Erstlingsfilme, die derart mittelmäßig sind wie „Sex & Crime“ unbedingt im Kino laufen müssen, werde ich nie begreifen. So was gehört ins Fernsehen und am besten nach 23 Uhr.“

    Sehe ich auch so, aber wegen der Filmförderung muss das wohl so sein. Naja, und meinetwegen dürfen die im TV auch ruhig um 20:15 Uhr laufen – besser als der Musikantenstadl allemal!!

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