Spurensuche

Landesgalerie Niederösterreich

Carola Dertnig, Donauspuren, virtuelle Weite und andere Dinge (Set-Fotografie), 2019 (Court. der Künstlerin & Galerie Crone)

Aus dem fernen Köln (Verlagsstandort des Atelier Verlags) kennt man es: Kaum den Spaten in den Boden gerammt, schon stößt man auf römische Überreste. So manches Großprojekt verzögert sich dadurch um Jahre. In Krems sind es zwar nicht die Römer, aber bei den Aushüben für die Landesgalerie Niederösterreich stieß man zumindest auf mittelalterliche Hafenanlagen. Es wurde gar gemutmaßt, ob es dort ehemals wie in Venedig ausgesehen haben könnte. Nun jedenfalls steht sie: Ein Kunsttempel (ORF), ein tanzender Würfel (Standard), ein Monolith (Krone, der man das Fremdwort kaum zugetraut hätte). Spektakulär auf jeden Fall: die neue Landesgalerie.

Und genau diese Ausgrabungen macht Carola Dertnig (* 1963) zum Thema ihrer Arbeit in ebendieser Landesgalerie. Die Performance- und Video-Künstlerin stellt Fragen dazu, wie die Vergangenheit die Gegenwart beeinflusst. Ist eine Ausformung der Gegenwart in Kenntnis der Vergangenheit möglich, ohne diese auch inhaltlich mit einzubeziehen? Die Künstlerin jedenfalls bezieht sogar Nachbildungen von ganz konkreten Fundstücken (beispielsweise ein Mühlstein, Vasen und Münzen) in ihre Arbeit ein und lässt diese damit aus der Vergangenheit in die Gegenwart einsickern. Doch auch andere Spuren thematisiert sie in ihrer Schau: Spuren, die Menschen alleine durch ihre Präsenz hinterlassen, durch Erinnerungen, Spuren eines Flusses und des hinterlassenen Flussbettes und viele weitere Möglichkeiten der Spuren der Vergangenheit, die auf die Gegenwart treffen und diese zwangsläufig beeinflussen.

Carola Dertnig. Donauspuren
Landesgalerie Niederösterreich
Museumsplatz 1
A-3500 Krems an der Donau
Tel.: +43-2732-908010
Di – So 10 – 17 Uhr
Eintritt:
www.landesgalerie-noe.at

Text: Christian Corvin
Bild: Landesgalerie Niederösterreich
Erstveröffentlichung in kunst:art 71