Poesie des Lebens

28.09.2021-23.01.2022 | Bank Austria Kunstforum Wien

Rebecca Horn, Buster’s Bedroom, 1990

Rebecca Horn ist eine der bekanntesten deutschen Künstlerinnen, ihr genreübergreifendes Werk umfasst neben einer Vielzahl an klassischen Medien auch eigenständige künstlerische Entwicklungen. Innovative Techniken und Materialien hat sie mitunter als eine der Ersten eingesetzt und die Möglichkeiten mechanischer Kunst erforscht. Ihren Durchbruch hatte sie 1972 auf der Documenta 5, die unter der Leitung von Harald Szeemann stattfand.

Die umfangreiche Ausstellung im Kunstforum Wien präsentiert Arbeiten aus nahezu allen Schaffensperioden. Es ist die erste große Einzelausstellung von Rebecca Horn in Österreich seit 30 Jahren. Im Fokus stehen Werke, die in ihren drei Spielfilmen wesentlich zum Handlungsgeschehen beitragen.

Wer die Filme von Rebecca Horn noch nicht kennt, hat im Rahmen der Ausstellung die Möglichkeit, sich diese anzuschauen und sich im Anschluss von Werken wie „Dialog der Silberschaukeln“ inspirieren zu lassen. Diese Arbeit ist so konzipiert, dass sich zwei Schaukeln in der Mitte treffen, wenn sie in Bewegung sind. Wie meistens bei Rebecca Horn, bietet die Installation auf poetische Weise eine ganze Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten, die die Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins ausloten.

Von zentraler Bedeutung ist ein an der Zimmerdecke befestigter, mit der Oberseite nach unten hängender Konzertflügel, dessen Mechanik alle zwei bis drei Minuten die Tastatur geräuschvoll aus dem Instrument bewegt. „Concert for Anarchy“ ist eine Leihgabe der Londoner Tate Gallery, aus deren Sammlung ein Großteil der im Kunstforum gezeigten Frühwerke stammt. Ab den 1970er Jahren schuf Rebecca Horn eine Serie kinetischer Objekte, zu der auch der „Überströmer“ und die selten gezeigte „Pfauenmaschine“ gehört.

Durch Experimente mit den giftigen Stoffen Glasfaser und Polyesterharz, die Horn zu Skulpturen verarbeiten wollte, erkrankte die Künstlerin schwer, so dass sie eine längere Zeit im Sanatorium verbringen musste. Im Krankenzimmer ganz auf sich allein gestellt, begann sie zu zeichnen und sich mit ihrem Körper zu beschäftigen. Fortan arbeitete sie sich mit leichten Stoffen, die sie in spielerisch wirkenden Performances als „Körperinstrumente“ präsentierte.

Nach Jahren, in denen sich Rebecca Horn von der New Yorker Kunstszene inspirieren ließ, kehrte sie nach Europa zurück und begann sich für Geschichte zu interessieren. Aus dieser Zeit stammt die raumfüllende Installationen aus Schutt, der von Abbruchhäusern in Venedig stammt. „Concerto dei Sospiri“, auf deutsch „Konzert der Seufzer“, ist der ebenso treffende wie berührende Titel der Arbeit, denn aus den Trümmern ertönen Klagelaute und Stimmen in verschiedenen Sprachen.

 

 

Rebecca Horn
bis zum 23.1.2022
Bank Austria Kunstforum Wien
Freyung 8
1010 WienAustria
T: (+43 1) 537 33 26
täglich 10:00 – 19:00, freitags 10:00 – 21:00
Eintritt: 11 €, erm. 4 – 8,50 €
www.kunstforumwien.at

Text: Karin Gerwens
Bild: Bank Austria Kunstforum Wien
Erstveröffentlichung in kunst:art 82