Das Prinzip der Polarität

5.3. – 12.6.2022 | Städtische Galerie

Sigmar Polke, Ohne Titel (Kuss Kuss), 1965, Sammlung Speck, Köln, © The Estate of Sigmar Polke, Cologne

Sigmar Polke (1941–2010) zählt zu den wichtigsten Gegenwartskünstlern Deutschlands. Seine sich jeder Verbindlichkeit entziehenden Stilwendungen sind das Resultat einer Vorgehensweise, die eine Fülle von Ideen und Materialien aufgreift, dabei unbefangen aus dem Fundus der Kunstgeschichte zitiert, den Zufall absichtsvoll nutzt und mit alchemistischer Experimentierfreude erstaunt. Bekannt geworden ist er unter anderem durch seine Technik des Rasterbildes und durch den als Pendant zum „Sozialistischen Realismus“ kreierten Begriff des „Kapitalistischen Realismus“.

Die Ausstellung führt nach ihrem Auftakt in Regensburg nun in Karlsruhe Polkes tiefsinniges Schaffen vor Augen, das zugleich durch Leichtigkeit und Witz besticht. „Der Begriff Dualismus erfasst Grundprinzipien, die in Polkes Werk zu beobachten sind“, erläutert die Kuratorin der Ausstellung Verena Hein den Ausstellungstitel. Es geht um Zweiheit und Polarität, etwas, das sich konträr gegenübersteht, sich komplementär ergänzt oder gar gegenseitig definiert. Dass es dabei nicht um ein reines Schwarz-Weiß-Denken geht, sondern vielmehr um das Überwinden von Gegensätzlichkeit, unterstreicht Polkes Aussage aus dem Jahr 1966: „Ich bin froh, dass ich nicht nur schwarz und weiß sehe, sondern beides zugleich.“ Die Schau von rund neunzig Werken aus der Zeit zwischen 1963 und 2009 geht wichtigen Fragestellungen nach, die Sigmar Polke beschäftigten. Die Interessen des Künstlers waren breit gefächert. Aber wenn er sich einmal einem Thema zuwandte, tauchte er tief in die Materie ein und analysierte sie eingehend.

 

 

 

Sigmar Polke. Dualismen
5.3. – 12.6.2022
Städtische Galerie
Lichthof 10/Lorenz­str. 27
D-76135 Karlsruhe
Tel.: +49-721-1334444
Mi – Freitag 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 6 € ??
www.karlsruhe.de/galerie

Text: Stefan Simon
Bild: Städtische Galerie
Erstveröffentlichung in kunst:art 84