Eine Familie – drei Positionen

bis zum 16.10.2022 | Museum Art.Plus

Reiner Seliger, Ohne Titel, grüne Kreide, 2021 & 2022 und Reiner Seliger, Black Diamond, 2018

Künstlerpaare wie Wassily Kandinsky und Gabriele Münter kennt man aus der Kunstgeschichte, aber es gibt diese kreativen Beziehungen auch generationsübergreifend. So pflegen Reiner Seliger, Heidi Gerullis und ihre Tochter Violetta Elisa Seliger aufgrund ihrer künstlerischen Profession einen ganz engen Kontakt. In Donaueschingen stellen die drei Kunstschaffenden nun erstmals gemeinsam aus. Dabei gibt es drei unterschiedliche souveräne Standpunkte zu entdecken. Die zwei- und dreidimensionalen Arbeiten für Wand, Boden und Raum stehen sich nicht in Konkurrenz gegenüber, sondern haben genügend Raum zur Entfaltung. Reiner Seliger ist als Bildhauer den Urgründen der Skulptur auf der Spur. „Vielleicht muss immer etwas zerstört werden, damit ein kreativer Arbeitsprozess in Gang kommt“, so Seliger.

Seligers Materialien sind so verletzlich (Ziegel) wie verletzend (Glas), robust (Stein) wie anfällig (Kreide und Styropor). Im Werk von Heidi Gerullis sind dagegen Zufall und Kalkül zwei gleichberechtigte Partner. „Dabei entsteht ein – auf den ersten Blick – disparates Bild ihrer Kunst“, so der Kunstexperte Günter Baumann. Über den Bezug zum Konstruktivismus lässt sich die wandfüllende Installation aus Stahlstangen und schwarz lackierten Kreissegmenten im Dialog mit den korrespondierenden Ritzungen und der gestischen Malerei durchaus zu einer einheitlichen Bildsprache fügen. Weniger spektakulär, dafür umso prägender geht es im Raum von Violetta Elisa Seliger zu. Die Kleinplastiken der ausgebildeten Goldschmiedin sowie die geometrisch geschnittenen Papierraster stehen in einem behutsamen Dialog zwischen Zwei- und Dreidimensionalem.

Seliger – Gerullis – Seliger
bis zum 16.10.2022
Museum Art.Plus
Museumsweg 1 / Ecke Josefstraße
D-78166 Donaueschingen
Tel.: +49-771-8966890
Fr – So 11 – 17 Uhr
Eintritt frei
www.museum-art-plus.com

Text: Stefan Simon
Bild: Museum Art.Plus
Erstveröffentlichung in kunst:art 86