Inflation und die Finanzierung der Museen

Kommentar

Es ist kein Geheimnis: Wir erleben gerade eine durch hohe Energiepreise gepushte Inflation! Um die zehn Prozent soll diese betragen. Das ist zuallererst eine schlechte Nachricht für alle Menschen: Das Ersparte und das, was wir verdienen, ist plötzlich weniger wert, ohne dass wir dafür erst einmal einen Ausgleich bekommen. Denn die Preise im Supermarkt und die Kosten für Energie steigen sofort, doch Gehälter und Zinsen bei der Bank ziehen bestenfalls langsam hinterher. Unterm Strich bleibt also weniger übrig!

Das ist für jeden Einzelnen eine schwere Last, die möglicherweise zu Konsumrückgang führen könnte. Konsum definiert als alles, was nicht zum Überleben notwendig ist, und dazu zählt auch Kultur, wie zum Beispiel Museumsbesuche. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass bei anhaltender Inflation auch weniger Menschen bereit sind, eine Karte für eine Ausstellung im Museum zu kaufen.

Für Museen ist das eine Mehrfachbelastung: Auch für Museen steigen die Energiepreise, weitere Ausgaben wie der Transport von Kunstwerken werden auch teurer werden (mit Hinweis auf die höheren Energiepreise) und die Einnahmen an der Museumskasse könnten sinken. Keine schönen Aussichten für unsere Museen!

Natürlich kann man hoffen, dass die Museen diese Ausfälle von Bund, Ländern und Gemeinden ersetzt bekommen. Und nach letzten Meldungen könnte das sogar finanzierbar sein, da die Inflation auch dafür sorgt, dass die Steuereinnahmen in die Höhe schnellen. Immerhin wird geschätzt, dass die Steuereinnahmen der nächsten vier Jahre um jährlich durchschnittlich gut 30 Milliarden Euro steigen sollen. Doch das ist zum einen noch ungewiss, zum anderen werden auch gewisse Ausgaben steigen: zum Beispiel der Schuldendienst!

Zweierlei gilt als wahrscheinlich: Erstens werden vorerst wohl keine Museen geschlossen oder ganz aufgegeben. Denn das ist unpopulär und vor allem spart das kaum Geld ein, teilweise erhöht das sogar die Kosten. Denn Gebäude und etwaige Sammlungen müssen trotzdem gepflegt werden. Zweitens wird aber an anderen Stellen Geld eingespart, bei laufendem Betrieb. Der Kunst wird das nicht guttun!

Was kann man also machen? Es klingt seltsam, aber der erste Schritt dürfte wohl sein, dass man mehr Geld investiert. Es sollte ein Programm initiiert werden, das Museen flächendeckend auf den neusten energetischen Stand bringt. Das betrifft die Heizungen der Museen und die Beleuchtung. Bei beidem ist in vielen Häusern noch großes Einsparpotenzial vorhanden. Ganz nebenbei würde es der CO2-Bilanz nützen …

Auch eine Bestückung mit Photovoltaik, wo nicht vorhanden, könnte den Museen nützen. Vermutlich würden noch nicht einmal komplizierte und vor allem teure Stromspeicher benötigt, da der Strom vor allem tagsüber verwendet wird. Zumindest sollte darüber nachgedacht werden, Gesetze so zu verändern, dass Photovoltaik-Anlagen von Architekten nicht einfach verhindert werden können.

Dennoch steht zu befürchten, dass möglicherweise Personal abgebaut wird, was die Lage für die verbleibenden Mitarbeiter verschärfen würde. Schon jetzt sind die Beschäftigten in den Museen überarbeitet. Teilzeitverträge bei vollem Einsatz sind keine Seltenheit. Selbstausbeutung aus Liebe zum Beruf wird gerne mit einkalkuliert.

Ebenso fatal, doch denkbar, wären Einsparungen beim Ausstellungsbetrieb. Natürlich kann man darüber nachdenken, ob tatsächlich alles ausgeliehen werden muss, was bisher für Ausstellungen ausgeliehen wird. Kleinere Museen aber leisten sich diesen Luxus schon lange nicht mehr, beziehungsweise leihen nur aus, wo kein professioneller Transport notwendig ist.

Es sind möglicherweise schwere Zeiten, die auf uns zu kommen. Doch noch bleibt zu hoffen, dass die Ukrainer im Laufe des kommenden Jahres den Krieg siegreich beenden können und eine europaweite Phase des Aufschwungs beginnt. Das könnte die Wirtschaft wieder in Schwung bringen, die Gas- und Energiepreise reduzieren und die Inflation auf ein gesundes Maß zurückstutzen.

Sich der Gefahren und Risiken bewusst sein und gleichzeitig optimistisch in die Zukunft schauen ist das Gebot der Stunde!

Text: Mathias Fritzsche
Erstveröffentlichung in kunst:art 88

Über Mathias Fritzsche 119 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?