Der Louvre führt ab Januar 2026 einen Zwei-Klassen-Eintritt ein. Besucher von außerhalb Europas zahlen künftig 32 statt 22 Euro – eine Erhöhung um 45 Prozent.
Der Verwaltungsrat des Pariser Museums beschloss am Donnerstag eine nach Nationalität differenzierte Preisstruktur, wobei Bürger des Europäischen Wirtschaftsraums weiterhin 22 Euro zahlen, während alle anderen Besucher ab dem 14. Januar zehn Euro mehr entrichten müssen. Besonders betroffen sind US-Amerikaner, die mit rund 1,1 Millionen Gästen jährlich die größte ausländische Besuchergruppe stellen, sowie Briten, Chinesen und Schweizer. Das Modell soll jährlich zwischen 15 und 20 Millionen Euro Mehreinnahmen generieren und wird auf weitere französische Kulturstätten wie Versailles, die Opéra Garnier und das Schloss Chambord ausgeweitet.
Die Preiserhöhung reagiert auf einen vernichtenden Bericht des französischen Rechnungshofs, der im November einen Investitionsstau von über 1,1 Milliarden Euro dokumentierte. Präsident Emmanuel Macron hatte bereits im Januar das Programm „Louvre – Nouvelle Renaissance“ vorgestellt, das Investitionen von 700 bis 800 Millionen Euro über zehn Jahre vorsieht, darunter einen eigenen unterirdischen Raum für die Mona Lisa und einen neuen Eingang unter der Perrault-Kolonnade bis 2030. Als Preisreferenz nannte Macron das Metropolitan Museum of Art in New York, das von Nicht-New-Yorkern 30 Dollar verlangt.
Gewerkschaften kritisieren „Ende des Universalismus“
Die französischen Gewerkschaften reagierten mit scharfer Kritik auf den Beschluss. CFDT-Delegierte Valérie Baud warnte, das anvisierte Publikum werde die neue Tarifstruktur als Diskriminierung erleben, während die CGT von einer Kommodifizierung der Kultur sprach. Die Gewerkschaft SUD Solidaires bezeichnete es als nicht überzeugend, die Gebäudesanierung zur Rechtfertigung für die Zerstörung von zwei Jahrhunderten Universalismus im Louvre heranzuziehen. Ein anonymer Louvre-Kurator formulierte gegenüber Le Monde das ethische Dilemma: Wie lasse sich rechtfertigen, einem Iraker mehr zu berechnen als einem Belgier, um den Codex Hammurabi zu sehen, der aus dem Irak stammt?
Die bestehenden Gratisregelungen bleiben unangetastet: Unter 18-Jährige aller Nationalitäten, 18- bis 26-jährige EWR-Bürger sowie Behinderte mit Begleitperson erhalten weiterhin freien Eintritt. Das Kulturministerium bestätigte, dass die jährlich 3,6 Millionen Gratiseintritte nicht angetastet werden. Der Louvre empfing 2024 rund 8,7 Millionen Besucher, von denen 77 Prozent aus dem Ausland kamen.
Mit 32 Euro für Nicht-EWR-Besucher positioniert sich der Louvre am oberen Ende der internationalen Preisskala und liegt damit über den Vatikanischen Museen mit 25 Euro und den Uffizien in Florenz. Das British Museum in London erhebt weiterhin keinen Eintritt für die Dauerausstellung. Zwei-Klassen-Systeme nach Nationalität existieren international bisher vor allem bei Naturdenkmälern wie dem Taj Mahal oder der Felsenstadt Petra, bei westlichen Kunstmuseen ist das Louvre-Modell hingegen ein Novum.

