Das Von der Heydt-Museum darf ein expressionistisches Hauptwerk behalten. Nach Restitution an die Hess-Erbin wurde Karl Schmidt-Rottluffs „Zwei Frauen“ mit Mitteln von fünf Förderern zurückgekauft.
Das 1914 entstandene Gemälde „Zwei Frauen (Frauen im Grünen)“ gehörte ursprünglich dem Erfurter Schuhfabrikanten und Kunstsammler Alfred Hess, dessen Witwe Thekla das Werk nach seinem Tod 1931 erbte. Unter dem Druck der Gestapo, die mit einem Devisenstrafverfahren drohte, übergab sie das Bild 1936 an den Kölnischen Kunstverein, bevor sie 1939 nach London emigrierte. Das Wuppertaler Museum erwarb das Gemälde 1947 vom Kölner Kunsthändler Aloys Faust, wobei der Kölnische Kunstverein gegenüber den Erben fälschlicherweise behauptet hatte, eingelagerte Werke seien im Krieg zerstört worden.
Nach mehrjährigen Provenienzrecherchen und Verhandlungen mit der Erbin der Familie Hess beschloss der Wuppertaler Stadtrat Mitte September die Rückgabe des großformatigen Ölgemäldes. Der anschließende Rückkauf wurde von fünf Institutionen finanziert: der Freiherr von der Heydt-Stiftung, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Kunststiftung NRW. Die Kaufsumme wurde nicht veröffentlicht, wobei Werke Schmidt-Rottluffs bei Auktionen bereits Preise im einstelligen Millionenbereich erzielt haben.
Zweite Hess-Restitution in NRW
Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, betonte, die Geschichte des Gemäldes stehe beispielhaft für das Unrecht, das jüdischen Kunstsammlern während des Nationalsozialismus angetan worden sei. Alfred Hess hatte eine der bedeutendsten Sammlungen expressionistischer Kunst in Deutschland aufgebaut, aus der nach 1933 zahlreiche Werke unter Zwang verkauft oder beschlagnahmt wurden. Erst 2006 hatte die Restitution von Ernst Ludwig Kirchners „Berliner Straßenszene“ aus der Hess-Sammlung internationale Aufmerksamkeit erregt.
Der aktuelle Fall reiht sich in eine Serie von Restitutionen am Von der Heydt-Museum ein. 2023 konnte das Haus Max Liebermanns „Bildnis Felix Benjamin“ nach Rückgabe an die Erben des im Holocaust ermordeten Porträtierten zurückkaufen. Zugleich ist es bereits die zweite Einigung mit Hess-Erben in Nordrhein-Westfalen innerhalb eines Jahres: Im Januar hatte das Kaiser Wilhelm Museum Krefeld ein Gemälde von Heinrich Campendonk restituiert und ebenfalls zurückerworben. Das Von der Heydt-Museum beschäftigt seit 2020 eine Provenienzforscherin und gibt an, dass noch knapp die Hälfte der Sammlung auf mögliche NS-Raubkunst untersucht werden müsse.

