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Lygia Clark im Kunsthaus Zürich

01.10. - 8.3.2026 | Kunsthaus Zürich

Lygia Clark, Estrutura de Caixas de Fósforos [Streichholzschachtelstruktur], 1964

Brasilianische Avantgarde

Die künstlerische Avantgarde in Südamerika ist eng verbunden mit der brasilianischen Malerin und Bildhauerin Lygia Clark, die im Laufe ihrer Karriere visionäre Wege beschritt und als Wegbereiterin einer interaktiven Kunst gilt. Als eine der Ersten löste sie die Grenze zwischen Werk und Betrachter auf und machte Kunst für jeden individuell erlebbar.

Sie ist eine der Protagonistinnen des Neoconcretismo, einer Richtung, die 1959 in Rio de Janeiro von einer kleinen Gruppe Kunstschaffender ins Leben gerufen wurde. Ihre Arbeitsweise war inspiriert von der europäischen Konkreten Kunst, deren streng rational-mathematische Herangehensweise sie jedoch ablehnten. Basierend auf dieser Erkenntnis entwickelte Lygia Clark in den 1960er-Jahren eine auf Intuition und den Menschen ausgerichtete Kunst.

Wegweisend sind ihre beweglichen Skulpturen („bichos“) aus geometrisch geformten Metallplatten, die sie mit Scharnieren verband. Mit ihnen lud sie den Betrachter ein, das Kunstwerk nach eigenem Belieben zu verändern. Durch Manipulation waren die Plastiken einer stetigen Veränderung unterworfen und blieben unvollendet. Auch war die Grenze zwischen Kunstwerk und Betrachter aufgehoben.

In den 1970er-Jahren rückte Lygia Clark den menschlichen Körper in den Mittelpunkt. Sie entwarf sogenannte sensorische Objekte in Form von Brillen oder Anzügen, die aufgesetzt beziehungsweise angezogen werden konnten, um die Sinne zu aktivieren. Kunst sollte nicht nur betrachtet, sondern über Berührung, Bewegung, Gleichgewicht und Atmung erlebbar gemacht werden und sogar therapeutische Wirkung erzielen.

Die Arbeit „caminhando“ aus dem Jahr 1963 bedeutete einen radikalen Schnitt in der künstlerischen Praxis der 1920 geborenen Brasilianerin. In Anlehnung an die mathematische Form der „Möbiusschleife“, die sie durch Arbeiten des Zürcher Künstlers Max Bill kennengelernt hatte, entwickelt sie eine Handlungsanweisung als Angebot an Museumsbesucher, das organisch geformte Objekt selbst herzustellen.

Die Ausstellung „Lygia Clark. Retrospektive“ ist die erste große Präsentation ihrer Werke im deutschsprachigen Raum. Gezeigt werden rund 170 Arbeiten aus allen Schaffensperioden der 1988 in Rio de Janeiro verstorbenen Künstlerin. Besonders hervorzuheben ist, dass zu den rund 120 historischen Originalwerken 50 Repliken zur Verwendung für die Besucher zur Verfügung stehen, um die zeitlose Kunst Lygia Clarks nachzuempfinden und im Sinne der Künstlerin die Wahrnehmung zu schärfen.

Lygia Clark. Retrospektive
01.10. – 8.3.2026
Kunsthaus Zürich
Heimplatz
CH-8001 Zürich
Tel.: +41-44-2538484
Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Eintritt: 31 CHF, erm. 22 CHF
www.kunsthaus.ch

Text: Karin Gerwens
Bild: Kunsthaus Zürich
Erstveröffentlichung in kunst:art 107

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