Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat venezolanische Künstler und Journalisten im Kanzleramt empfangen. Bei dem Treffen am Sonntag forderte er eine Demokratisierung des südamerikanischen Landes.
Neun Tage nach der US-Militäraktion gegen das Maduro-Regime lud Weimer eine Gruppe venezolanischer Kulturschaffender nach Berlin, wobei er die Stimmung der Gäste als „besorgt und hoffnungsvoll zugleich“ beschrieb. In Venezuela gebe es nun „die Chance auf eine Besserung, auf eine Demokratisierung, auf eine Öffnung“, erklärte der Staatsminister laut einer Mitteilung seines Hauses, zumal die Lage vor Ort zwar weiterhin repressiv sei, sich aber erstmals seit Jahren Perspektiven für einen politischen Wandel abzeichneten.
Am 3. Januar hatten US-Spezialkräfte den autoritär regierenden Präsidenten Nicolás Maduro in Caracas festgenommen und in die Vereinigten Staaten überführt, wo ihm wegen Drogenhandels der Prozess gemacht werden soll. Die chavistischen Machtstrukturen blieben jedoch weitgehend intakt, und Maduros ehemalige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez wurde vom Obersten Gerichtshof zur amtierenden Staatschefin vereidigt.
Weimer nutzte das Treffen für konkrete Ankündigungen: Die Deutsche Welle solle in Venezuela bald wieder „hörbar und sichtbar“ werden, nachdem der Sender im März 2024 aus dem Kabelnetz entfernt worden war. Darüber hinaus plane sein Haus gezielte Förderprogramme für venezolanische Exilkunst und Exiljournalismus, wenngleich Details dazu noch ausstehen.
Künstler berichten von jahrelanger Repression
Unter den Gästen befand sich der Literaturwissenschaftler Luis Miguel Isava, der als Gastforscher an der Freien Universität Berlin arbeitet. Er äußerte sich differenziert zur Lage: Die einzige Person, die sich der venezolanischen Sache angenommen habe, sei leider Trump gewesen, sagte Isava laut Pressemitteilung, und obwohl man mit dem Militäreinsatz nicht einverstanden sei, habe dieser immerhin das Treffen im Kanzleramt ermöglicht.
Die Repression gegen Kulturschaffende in Venezuela ist umfassend dokumentiert. Allein zwischen 2013 und 2018 wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen 115 Medien geschlossen, darunter 41 Printpublikationen und 65 Radiosender. Die Grammy-prämierte Band Rawayana musste ihre ausverkaufte Venezuela-Tour im Dezember 2024 absagen, nachdem Maduro einen ihrer Songs öffentlich als Beleidigung bezeichnet hatte. Rund 7,9 Millionen Venezolaner leben mittlerweile im Exil, was die zweitgrößte Flüchtlingskrise weltweit nach Syrien darstellt.
Weimer, der seit Mai 2025 als Staatsminister für Kultur und Medien amtiert, hatte sich bereits vor seiner Ernennung kritisch zum Maduro-Regime geäußert. In einem Artikel aus dem Jahr 2019 schrieb der frühere Chefredakteur von „Cicero“ und „Focus“ über „grauenhafte Folter“ unter der sozialistischen Regierung. Ob die von ihm beschworene Öffnung tatsächlich eintritt, bleibt indes ungewiss, da die Opposition um die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado bislang keinen Zugang zur Macht erhalten hat und die US-Regierung vorerst mit der Rodríguez-Administration zusammenarbeitet.