Studio Lemercier Ausstellung im HEK Basel: Thresholds 2026

22.8.2026 – 15.11.2026 | HEK (Haus der Elektronischen Künste)

Christiane Peschek, FEVER, 2024–2025, „Neue Rituale [für das Ende der Welt]“, 2026

Jedes Werk eine neue Schwelle der Wahrnehmung

Es beginnt mit Licht – und mit der Frage, was wir ihm glauben. Das französische Studio Lemercier, gegründet von Joanie Lemercier und Juliette Bibasse, verwandelt im HEK den Ausstellungsraum in ein Labor der sinnlichen Wahrnehmung. „Thresholds – On the Values We Set and the Limits We Cross“ ist die erste umfassende Präsentation des Studios in der Schweiz und versammelt Arbeiten aus nahezu zwei Jahrzehnten.


Lemercier arbeitet mit Projektionen, Licht, Wasser und digitalen Verfahren, neuerdings auch mit Plotterzeichnungen. Das klingt nach Hightech, doch gerade darin liegt die Pointe: Die Arbeiten wollen technische Magie nicht einfach weiter perfektionieren, sondern ihre physikalischen Bedingungen sichtbar machen. Aus der früheren kryptischen „Black Box“, deren technische Abläufe dem Publikum verborgen bleiben, entwickelt sich eine Praxis, die Materialität, Aufwand und Grenzen der Technologie offenlegt. Das Digitale wird nicht als unfassbarer Zauber präsentiert, sondern als etwas Gemachtes und Fragiles.


Ein Schlüsselwerk ist „La Montagne“ (2016–2018). Die projizierte Berglandschaft scheint sich aus Licht und Nebel aufzubauen und verwandelt Architektur in eine imaginäre Topografie. Der Berg ist dabei weniger Landschaftsbild als Wahrnehmungsapparat: Er erscheint, verändert sich und entzieht sich zugleich. Was zunächst wie eine perfekte digitale Illusion wirkt, erweist sich bei längerer Betrachtung als Konstruktion. Mit „All the Trees“ richtet sich der Blick stärker auf die Natur. Das Werk führt Bäume und digitale Bildwelten zusammen und macht aus der Projektion eine Reflexion über ökologische Zusammenhänge. Die Natur ist hier nicht bloß Motiv für eine audiovisuelle Erfahrung. Sie wird zum Gegenüber einer Technologie, die Teil der ökologischen Krise ist.


Besonders interessant ist der Titel „Thresholds“: Schwellen sind Grenzen, aber auch Übergänge zu etwas Neuem. Die wesentliche Frage dabei: Welche Grenzen ziehen wir – und welche überschreiten wir? Genau da operiert Lemercier – zwischen analog und digital, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Natur und Technologie, Imagination und Wirklichkeit. Die Werke fordern nicht dazu auf, eine virtuelle Welt mit der realen zu verwechseln.


Im Gegenteil: Sie machen bewusst, wie leicht Wahrnehmung manipulierbar ist und wie sehr jedes Bild von seinen technischen Voraussetzungen abhängt. Das HEK, spezialisiert auf die Verbindung von Kunst, Technologie und Gesellschaft, ist dafür ein guter Ort. Ihre eigentliche Stärke dürfte dort liegen, wo der Zauber der Projektion durch das Wissen um ihre Herstellung gebrochen wird. Dann wird aus der spektakulären Lichtkunst eine Untersuchung unserer Gegenwart: Wie viel Technologie verträgt unsere Vorstellung von Natur? Welche Grenzen setzen wir Maschinen – und welche Grenzen setzen wir uns selbst? Die Ausstellung ist deshalb weniger eine Flucht in digitale Traumwelten als eine Einladung, ihnen genauer auf den Grund zu gehen. Studio Lemercier zeigt, dass Licht nicht nur sichtbar macht. Es kann auch Zweifel erzeugen!


Stefan Simon lebt und arbeitet in Süddeutschland.

Studio Lemercier. Thresholds – On the Values We Set and the Limits We Cross
22.8. – 15.11.2026
HEK (Haus der Elektronischen Künste)
Freilager-Platz 9
CH-4142 Münchenstein / Basel
Tel.: +41-61-2836050
Mi – Fr 12 – 18 Uhr, Do 12 – 20 Uhr, Sa + So 12 – 17 Uhr
Eintritt: 12 CHF, erm. 8 CHF
www.hek.ch