Ein Spiegel seiner Zeit. – James Rosenquist im Museum Ludwig in Köln

18.11.2017 – 4.3.2018 | Museum Ludwig

James Rosenquist, I Love You with My Ford, 1961. © James Rosenquist/BUS 2013. Foto: Moderna Museet /Prallan Allsten. VG Bild-Kunst.

 

von Ninja Elisa Felske //

 

„Ich weiß noch immer nicht, was Pop Art bedeutet, um ehrlich zu sein.“ – James Rosenquist (1933-2017) gilt als Pionier einer Kunstrichtung, deren Klassifizierung ihm Zeit seines Lebens fremd war. Zwar beeinflusste er die Entstehung der amerikanischen Pop Art in den 1960er Jahren entscheidend mit, doch hat er sich ihrer Benennung lediglich gefügt, wie er in seiner Autobiografie erklärt. Sein künstlerisches Schaffen war ihm wichtiger als dessen Einordnung; wie stark es jedoch im Kontext der kulturellen und politischen Situation seiner Epoche verwurzelt war, zeigt nun die umfassende Werkschau im Kölner Museum Ludwig.

James Albert Rosenquist wurde am 29. November 1933 in North Dakota geboren als Sohn des Flugzeugmechanikers Louis und Ruth, einer Amateurmalerin. Bereits zu Beginn der High-School bekam er ein Stipendium des Minneapolis Institute of Arts, später studierte er Kunst an der University of Minnesota. Ein Stipendium der Art Students League brachte ihn 1955 nach New York. Dort lebte er fortan, arbeitete als Plakatmaler und folgte künstlerisch dem Abstrakten Expressionismus, bevor er begann, den großformatigen Naturalismus der Plakatwerbung in die bildende Kunst zu überführen. Die Ästhetik der Malerei verschränkte er nun mit der medial dominierten Realität seiner Zeit; ein zentraler Aspekt der unpersönlich bis überpersönlich konstituierten Pop Art, der Reflexion amerikanischer Konsumkultur in den 1960er Jahren. Während er primär simplifizierend-realistisch malte, entwickelte er seine Kompositionen – in der Tradition surrealistischer Collagen – aus Versatzstücken konträrer Motive und Materialien aus Konsumkultur und Unterhaltungsindustrie.

Die Ausstellung im Museum Ludwig zeigt systematisch, dass die Kunst Rosenquists im Zeitkontext durchaus auch politische Lesarten anbietet: Beispielsweise seine Rauminstallation „F-111“, eine Ikone der Pop-Ära und heute in der Sammlung des MoMA, bezieht sich auf das gleichnamige amerikanische Kampfflugzeug. Zugleich verdeutlicht es, ebenso wie das dreiteilige Ensemble „The Swimmer in the Economist“, eine konstante künstlerische Strategie Rosenquists: Die Involvierung des Betrachters. Die raumgreifende Installation riesiger Leinwände lenkt offensiv die Rezeption, die Inszenierung von Ikonen des alltäglichen Lebens konstruiert eine unumgängliche Zugänglichkeit. Dieses – gemäß dem Ausstellungstitel – „Eintauchen ins Bild“ wird im Museum Ludwig intensiviert durch noch nicht öffentlich präsentierte Archivunterlagen, vom Künstler als Quellenmaterial bezeichnete Collagen und Originalanzeigen aus alten Life-Magazinen.

Das Zusammenspiel dieser Materialien mit Hauptwerken seines Œuvres gibt historische Einblicke in seine Werkgenese, die Rosenquist selbst mitentwickelte: Er begleitete die Entstehung der Ausstellung von Anfang an, die nun eine erste museale Hommage ist an den am 31. März dieses Jahres verstorbenen Künstler. Haderte James Rosenquist auch mit der Bezeichnung seiner Kunst – sie zeigt sich als ein prägnanter Spiegel der politischen, sozialen und auch populären Kultur seiner Zeit.

 

James Rosenquist
Eintauchen ins Bild
18.11.2017 – 4.3.2018, Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz, D-50667 Köln
Tel.: +49-221-22126165
Di – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 11 €, erm. 7,50 €
www.museum-ludwig.de

 

Text aus der kunst:art 58

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