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Licht und Farben im Werk von Bettina Heinen-Ayech

6.7. – 7.9.2025 | Städtische Galerie Schwalenberg

Bettina Heinen-Ayech, Die Wüstenstadt Gardheia in Algerien, 1976

Das Licht Algeriens

Bettina Heinen-Ayech (1937–2020) wuchs in Solingen als Tochter des Lyrikers Hanns Heinen und der Kunstbegeisterten Erna Heinen-Steinhoff auf. Gleich mit ihrer Geburt war sie schon Anlass eines mittleren Skandals, da sie als viertes Kind zur Welt kam (sie hat zwei ältere Brüder und eine ältere Schwester) und ihre Mutter 1937 damit den Anspruch auf das „Mutterkreuz“ hatte, welches diese ablehnte. Damals im von den Nazis regierten Deutschland ein Affront!

Die Familie Heinen kaufte bereits 1932 das „Schwarze Haus“ in Solingen, ein historisches Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert. Das „Schwarze Haus“ wurde zu einem Treffpunkt für Künstler aller Gattungen, da insbesondere Erna Heinen-Steinhoff sich für Literatur, Musik und Kunst begeisterte und offenbar auch äußerst bewandert war. Aus dem literarischen und künstlerischen Salon, der wohl auch in den Nachkriegsjahren nicht unterbrochen wurde, wurde die Herzkammer der Solinger Künstlerkolonie. Neben dem Maler Erwin Bowien war auch Amud Uwe Millies, Fabrikantensohn und ebenfalls Maler, Mitglied der Künstlergemeinschaft. Erna Heinen-Steinhoff, welche in den 1950er- und 1960er-Jahren noch viele Reisen nach Griechenland und Algerien unternahm, starb 1969 nur wenige Wochen vor der Geburt ihres Enkels Haroun Ayech.

Bettina Heinen-Ayech lernte von klein auf malen und schreiben. Umgeben von Künstlern aller Gattungen, war ihr der Zugang zur Kunst gegeben. Ihr wichtigster Lehrer war Erwin Bowien, der ihr aber nicht nur Hilfestellungen beim Malen gab, sondern ihr auch Hinweise gab, wo sie von anderen Lehrern lernen könne. So ging sie beispielsweise auf sein Wirken hin zur Werkschule in Köln. Später ging sie nach München an die Kunstakademie und nach Kopenhagen an die königliche Kunstakademie.

1960 lernte Bettina Heinen auf einer Reise nach Paris ihren späteren Mann Abdelhamid Ayech aus Algerien kennen und fuhr mit ihm gemeinsam 1963 erstmals nach Algerien. In Algerien lernte sie viele Künstler kennen und machte sich in der Kunst Algeriens nach und nach einen Namen. Ihre Bilder stellte sie sowohl im Land selbst aus, davon zweimal eine Einzelausstellung im Nationalmuseum in Algier, als auch regelmäßig in Europa, wo sie nicht in Vergessenheit geraten wollte.
Merkmal ihrer Kunst blieb zeitlebens die Farbigkeit ihrer Bilder, die Spannung im Bildaufbau und ein besonderes Licht, vermutlich das eingefangene Licht ihrer zweiten Heimat Algerien. Ihre regelmäßigen Reisen nach Paris, nach Sylt, nach Norwegen und später auch in die Türkei und viele weitere Städte und Länder machten einen Großteil ihrer Bilder aus. Menschen, Landschaften und Städte sind ihre wiederkehrenden Themen. Dabei schaffte sie es, dass unabhängig vom Bildinhalt in jedem Werk eine Spannung zu spüren ist, die einen nicht loslässt.

In der Städtischen Galerie Schwalenberg kann man sich nun selbst ein Bild machen und sich von der Spannung einfangen lassen.

Mathias Fritzsche ist Kunsthistoriker und Kulturjournalist in Köln.

Bettina Heinen-Ayech. Zwischen den Welten
6.7. – 7.9.2025
Städtische Galerie Schwalenberg
Marktstr. 5
D-32816 Schieder-Schwalenberg
Tel.: +49-5284-94373790
Di – So 14 – 17:30 Uhr
Eintritt: 2,50 €, erm. 2 €
www.schieder-schwalenberg.de

Text: Mathias Fritzsche
Bild: Städtische Galerie Schwalenberg
Erstveröffentlichung in kunst:art 104

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