Privates und Politisches

27.9.2020 – 28.2.2021 | Max Ernst Museum

Max Beckmann, Die Nacht, Blatt 7 aus ´Die Hölle´, 1919, Kunsthalle Bremen, Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett, Foto Marcus Meyer

Ein Brustbild des Künstlers mit schwarzer Kappe, in der erhobenen Linken die Zigarette. Max Beckmann macht wie oft in seinem Werk klar, wer die Bilder geschaffen hat. Darauf folgt alles kunterbunt. Szenen, die auf zufällige private Eindrücke zurückgehen, wechseln mit Aktfiguren, politischen Allegorien und biblischen Darstellungen. Das für die Brühler Ausstellung titelgebende Lithographie-Mappenwerk (1946) ist einmalig im Schaffen des Künstlers. Es ist zugleich Curriculum Vitae und Ideenschmiede für seine Gemälde. Insgesamt ist das Programm dieser 15 Lithographien so inhaltsreich und aussagekräftig wie das seiner Triptychen, wie zum Beispiel „Abfahrt“, „Perseus“ und „Argonauten“.

Rund 140 Arbeiten auf Papier, Gemälde und Druckgrafiken mit Schwerpunkt auf dem grafischen Œuvre des 1884 in Leipzig geborenen und 1950 in New York gestorbenen Malers und Grafikers beleuchten wichtige Stationen, Personen und Themenkomplexe aus seinem Leben. Aussagekräftig ist auch das Mappenwerk „Berliner Reise“. Ein Porträt Berlins als „corrumpiertes und temperamentloses Nest“ (Beckmann) entstand Anfang der 1920er Jahre: Die reiche Gesellschaft übt sich im Kartenspiel, amüsiert sich im Theater oder gibt sich gepflegt der Langeweile hin, während draußen auf der Straße die Armen betteln müssen. Erstmals ausgestellt werden in Brühl Handprobedrucke in größerer Auswahl, die der Künstler für seine erste Frau Minna Tube 1913 bis 1923 mit persönlichen Widmungen versah. Sie veranschaulichen Max Beckmanns große Sensibilität als Grafiker.

 

Max Beckmann. Day and Dream
27.9.2020 – 28.2.2021
Max Ernst Museum
Comesstr. 42 / Max-Ernst-Allee 1
D-50321 Brühl (Rheinland)
Tel.: +49-2232-57930
Di – So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 4 €
www.maxernstmuseum.lvr.de

Text: Stefan Simon
Max Ernst Museum
Erstveröffentlichung in kunst:art 75