
Bunte Bilder, poppige Töne
Der Titel dieser Ausstellung ist eine fundamentale Aufforderung – und eine ziemliche Plattitüde: „Let yourself be free“, fordert Tony Cokes jeden Zeitgenossen auf, sich selbst oder auch, im konkreten Fall, die Besucher seiner Solo-Schau im Vaduzer Kunstmuseum. Der US-amerikanische Künstler (* 1956) – er lebt im Bundesstaat Rhode Island in einer Stadt mit dem hübschen Namen Providence, also Vorsehung – interessiert sich für die tausendfach verbreiteten Ideologien der populären Kultur, wo dergleichen truistische Gemeinplätze hochbeliebt sind. Er hinterlegt oder überblendet entsprechende Kurztexte in grell hinterleuchteten Bildtafeln mit Popmusik: Das Verfahren erinnert natürlich an das rasante Sample & Remix eines DJs.
Tony Cokes versteht sich jedoch nicht nur als Unterhalter, sondern vor allem als explizit politischer Künstler, wenn er, seit seinem künstlerischen Start im repressiv empfundenen gesellschaftlichen Klima der Reagan-Jahre, Fragen von gesellschaftlicher Macht, strukturellem Rassismus oder ökonomischer Ungerechtigkeit in schlaglichtartigen Zitaten herauspickt. Seine jüngeren Werke sind strikt durchchoreografierte Videoessays, manchmal auch animierte Kurzfilme, die das (kritische) Bewusstsein erreichen sollen. Und, zwecks vertieften Erkenntnisgewinns, über fetzige Klänge auch den Körper ins Tanzen bringen: „It is possible to dance and think at the same time.“
Tony Cokes. Let Yourself Be Free
26.9.2025 – 1.3.2026
Kunstmuseum Liechtenstein
Städtle 32
Li-9490 Vaduz
Tel.: +423-235-0300
Di – So 10 – 17 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Eintritt: 15 CHF, erm. 10 CHF
www.kunstmuseum.li
Text: Dieter Begemann
Bild: Kunstmuseum Liechtenstein
Erstveröffentlichung in kunst:art 105







