
Pop im Dirndl
Das Flatz Museum im österreichischen Dornbirn, benannt nach seinem Gründer und Haus-künstler Wolfgang Flatz, versteht sich wesentlich als „Zentrum für Photographie“, auch und gerade in ihren Schnittstellen zwischen Hochkunst und allgegenwärtiger, massenmedialer Verwendung. Die aktuelle Schau ist der deutschen Fotografin Ellen von Unwerth (* 1954) gewidmet, die in den 1970er-Jahren eher zufällig mit der Welt der Mode in Kontakt kam, zunächst als Model. Gelegentlich aber einer Modeproduktion in Afrika drehte sie sozusagen die Blickrichtung um, wechselte vom Platz vor der Kamera auf den dahinter. Vorbild der Fotografin war die Arbeit von Helmut Newton, seine kühl kalkulierte Erotik setzte bekanntlich Maßstäbe in der modernen Modefotografie. In der Folge konnte Unwerth aus diesen Anfängen eine sehr erfolgreiche Karriere als Modefotografin aufbauen, nicht zuletzt, weil sie mit den von ihr gefundenen und geförderten Models gute Beziehungen aufbauen konnte: win-win.
Diese glamouröse Seite der Ellen von Unwerth zeigt die Auswahl in Dornbirn, die wie ein zufälliger Schnappschuss daherkommende Inszenierung der Stars, aber auch längerfristig angelegte Buchprojekte. Da wäre zu nennen „Heimat“, eine im benachbarten Bayern entstandene Serie. Eine skurrile und schrillfarbige Inszenierung: Bayernklischees – Maßkrüge, von bedirndlten jungen Damen kredenzt, urig holzgetäfelte Almhütten – und sich selbst persiflierende, exaltierte Modefotografie mit betont sexy Posen.
Ellen von Unwerth X Flatz Museum
Eröffnung 6.11.2025
Flatz Museum. Zentrum für Photographie
Marktstr. 33 (2. Stock)
A-6850 Dornbirn
Tel.: +43-5572-3064839
Do 17 – 20 Uhr, Fr 15 – 17 Uhr, Sa 11 – 17 Uhr
Eintritt: 7 €, erm. 5 €
www.flatzmuseum.at
Text: Dieter Begemann
Bild: Flatz Museum. Zentrum für Photographie
Erstveröffentlichung in kunst:art 106





