
Joji erobert Japan
Wer hätte gedacht, dass einer der interessantesten und scharfsinnigsten Künstler, die im 20. Jahrhundert aus Deutschland kamen, Georg Grosz (1893–1959), noch interessanter sein könnte? Grosz, während seiner Blütezeit in den 1920er- und 1930er-Jahren in Berlin und New York, hat die Arbeit und den Stil einer neuen Generation japanischer Künstler direkt beeinflusst. Der Aufstieg von Manga und Anime in Japan lässt sich mit der Begeisterung für Grosz‘ Kunst verbinden, mit der er die versteckte Wahrheit hinter den zeitgenössischen Missständen durch den Einsatz von Karikatur und Satire aufdeckte.Es ist spannend, Gemälde wie „The Muckraker“ von 1937 und „Self-Portrait with Bird of Prey and Rat“ von 1940 (das 1941 ein Höhepunkt der Ausstellung im MOMA NY war) zu entdecken, besonders wenn man Grosz in erster Linie als Grafiker sieht.
Diese Gemälde, vor allem das Selbstporträt, haben die heroische Kühnheit des amerikanischen Realismus jener Zeit und bilden einen fast verblüffenden Kontrast zu den reduzierten Strichzeichnungen seines klassischen Werks. Diese Ausstellung im Samurai Museum, einem Ort, der die Schönheit, Philosophie und Geschichte Japans durch die Kombination von historischen Artefakten und hochmodernen interaktiven Museumdisplays offenbart, ist einen Besuch wert, auch um noch nie dagewesene Perspektiven auf diesen Künstler zu gewinnen, der sein Talent als unerschütterliche Stimme für gesellschaftliche Gerechtigkeit auf der ganzen Welt einsetzte.
George Grosz. The Muckraker
06.05. – 24.8.2025
Samurai Museum Berlin
Auguststr. 68
D-10117 Berlin
Tel.: +49-30-62975635
Mo – So 10 – 19 Uhr
Eintritt: 9-19 €, erm. 6-14 €
www.samuraimuseum.de
Text: Dr. Renée Gadsden
Bild: Samurai Museum Berlin
Erstveröffentlichung in kunst:art 104






